
Mit dem 2018 bekannt gewordenen Cambridge-Analytica-Skandal fiel erstmals der Begriff der psychologischen Waffe – eine neue Form von Attention Engineering, bei der Technologie und Künstliche Intelligenz gezielt Erkenntnisse aus der Psychologie nutzen, um menschliches Verhalten zu beeinflussen. Weil Waffen grundsätzlich gefährlich sind, unterliegen sie normalerweise strengen gesetzlichen Regulierungen – zumindest gilt dies für Schusswaffen. Doch was passiert, wenn psychologische Waffen im Besitz privat geführter Megakonzerne sind?
Die Anhörung Mark Zuckerbergs im US-Kongress im April 2018 verdeutlichte, dass Tech-Konzerne wie Facebook längst keine reinen Dienstleister mehr sind, sondern machtvolle Akteure auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene. Zuckerbergs Aussage, er sei sich seiner Verantwortung nicht bewusst gewesen und es tue ihm leid, wirkt rückblickend wie ein Hohn. Sie macht deutlich, wie wenig wir tatsächlich über den Einfluss sozialer Medien wissen – und wie weit die Entwicklung von Attention-Engineering-Technologien, gestützt durch Künstliche Intelligenz, bereits fortgeschritten ist. Systeme, die uns heute oft besser kennen, als wir uns selbst.
Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblaßt der Reichtum neben der Prominenz.
Georg Franck, Stadtplaner, Architekt und Softwareentwickler
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