Die thematischen Schwerpunkte bilden das inhaltliche Fundament aller Workshops und Lehrangebote. Im Zentrum stehen Künstliche Intelligenz, Bewegtbild und Medienbildung, verbunden mit einem klaren Fokus auf ethische Fragestellungen und gesellschaftliche Verantwortung. Digitale Technologien prägen heute nahezu alle Bereiche des Alltags. Sie beeinflussen Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Entscheidungsprozesse oft auf subtile Weise und bleiben dabei für Nutzer:innen weitgehend unsichtbar. Diese Wirkmechanismen sichtbar, nachvollziehbar und diskutierbar zu machen, ist ein zentrales Anliegen der Arbeit.
Ethik und Verantwortung als Fundament digitaler Gestaltung
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der ethischen Dimension von Gestaltung. Gestaltung wird nicht als rein funktionaler oder ästhetischer Akt verstanden, sondern als Praxis mit weitreichenden Konsequenzen. Jede gestalterische Entscheidung beeinflusst Verhalten, lenkt Aufmerksamkeit und formt soziale Dynamiken. Im Kontext digitaler Medien bedeutet dies, Verantwortung für die Auswirkungen von Interfaces, Algorithmen und datenbasierten Systemen zu übernehmen. Fragen nach Transparenz, Fairness und Verantwortung sind dabei nicht optional, sondern grundlegender Bestandteil professioneller Gestaltung.
Künstliche Intelligenz zwischen Technologie, Gestaltung und Gesellschaft
Künstliche Intelligenz bildet einen zentralen thematischen Fokus. Sie wird nicht isoliert als technisches Werkzeug vermittelt, sondern als komplexes Zusammenspiel aus Technologie, kulturellen Bedeutungen und gestalterischen Entscheidungen. Im Mittelpunkt stehen algorithmische Entscheidungsprozesse, Trainingsdaten, Bias und Fragen der Autorschaft. KI-Systeme treffen zunehmend Entscheidungen, die direkte Auswirkungen auf Menschen haben – von Sichtbarkeit in sozialen Medien bis hin zu automatisierten Bewertungen und Empfehlungen. Diese Prozesse kritisch zu analysieren und ihre gesellschaftlichen Implikationen zu reflektieren, ist ein zentraler Bestandteil der Lehre und Workshops.
Attention Engineering und die Ökonomie der Aufmerksamkeit
Ein besonderer Fokus liegt auf der gezielten Steuerung von Aufmerksamkeit in digitalen Systemen. Die vertiefende schriftliche Arbeit „Attention Engineering in den Sozialen Medien“ setzt sich intensiv mit persuasivem Design, Belohnungsmechanismen und der Ökonomie der Aufmerksamkeit auseinander. Plattformen konkurrieren um Zeit, Interaktion und Daten. Gestaltung wird dabei gezielt eingesetzt, um Nutzer:innen zu binden, Verhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Diese Mechanismen wirken oft unbewusst und entziehen sich einer unmittelbaren Kontrolle. Ziel ist es, diese Strategien offenzulegen und ihre gesellschaftlichen Folgen kritisch zu diskutieren.
Interaktionsdesign, Machtstrukturen und Manipulationsmechanismen
Im Bereich des Interaktionsdesigns werden Machtverhältnisse sichtbar, die in technischen Systemen eingeschrieben sind. Algorithmen sind nicht neutral, sondern Ausdruck bestimmter Interessen, Annahmen und Zielsetzungen. In Workshops und Lehrformaten werden Fragen nach Manipulation, Kontrolle und Verantwortung systematisch behandelt. Welche Entscheidungen werden Nutzer:innen abgenommen? Welche Handlungsspielräume bleiben? Und wer profitiert von bestimmten Designentscheidungen? Durch die Analyse konkreter Interfaces und Systeme wird ein Bewusstsein für diese Zusammenhänge geschaffen.
Medienbildung als kritische Praxis
Medienbildung ist ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit. Sie wird nicht als reine Vermittlung technischer Kompetenzen verstanden, sondern als kritische Praxis. Ziel ist es, Medien nicht nur bedienen, sondern verstehen, hinterfragen und gestalten zu können. Medienbildung bedeutet, die Funktionsweisen digitaler Systeme zu analysieren, ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zu reflektieren und eine informierte, selbstbestimmte Haltung zu entwickeln. Dabei spielen ethische Fragestellungen eine zentrale Rolle, insbesondere im Umgang mit Daten, Automatisierung und algorithmischer Selektion.
Bewegtbild als kulturelles, ästhetisches und technisches System
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Bewegtbild als kulturellem, ästhetischem und technischem Medium. Film, Video und Animation werden sowohl praktisch als auch theoretisch behandelt. Bewegtbild wird nicht nur als Träger von Inhalten verstanden, sondern als strukturierendes System von Zeit, Raum und Wahrnehmung. Schnitt, Rhythmus, Bildkomposition und Ton beeinflussen, wie Geschichten erzählt, Emotionen erzeugt und Bedeutungen vermittelt werden. Diese Mechanismen werden analysiert und bewusst eingesetzt.
Film, Video und Animation als Mittel gesellschaftlicher Reflexion
Bewegtbild dient als Mittel der Kommunikation, der künstlerischen Auseinandersetzung und der gesellschaftlichen Reflexion. In der praktischen Arbeit werden narrative, dokumentarische und experimentelle Formate untersucht und umgesetzt. Gleichzeitig wird Bewegtbild als Spiegel gesellschaftlicher Diskurse betrachtet. Fragen nach Repräsentation, Perspektive und Machtverhältnissen stehen dabei im Fokus. Durch die Verbindung von Theorie und Praxis entsteht ein reflektierter Umgang mit audiovisuellen Medien.
Verantwortung in Gestaltung, Lehre und kreativer Praxis
Alle thematischen Schwerpunkte verbindet ein gemeinsames Ziel: Gestaltung als verantwortungsvolle Handlung zu begreifen. Ob im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, im Interaktionsdesign oder im Bewegtbild – jede Entscheidung hat Konsequenzen. Die Lehre und Workshops zielen darauf ab, ein kritisches Bewusstsein für diese Verantwortung zu entwickeln. Gestalter:innen, Medienschaffende und Entwickler:innen sollen befähigt werden, Technologien nicht nur effizient, sondern reflektiert und ethisch fundiert einzusetzen. Gestaltung wird so zu einer Praxis, die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und aktiv zur Gestaltung einer informierten, reflektierten digitalen Kultur beiträgt.