Gedanken einer Ex-Vergolderin


Unter allen Sachen, welche die Natur der Gewalt des Menschenunterworfen hat, ist keine, darnach er begieriger strebt, und die ihm mehr Unruhe macht, als das Gold.

Jean-Felix Watin, in: Der Staffirmaler

Die Kunst der Polimentvergoldung ist auf der schwarzen Liste der bedrohten Handwerke. Außer in der Denkmalpflege wird sie nicht mehr nachgefragt. Prachtvolle Bilderrahmen und Skulpturen mit veredelter Oberfläche sind Geschichte. Oder? Vielleicht gibt es noch Ausnahmen, aber die bestätigen ja bekanntermaßen die Regel.

Drei Jahre habe ich die Kunst der Blattvergoldung gelernt – damals noch in dem Glauben, wunderschöne Kunstwerke damit veredeln zu können. In meiner eigenen Werkstatt. Nur ein Traum.

25 Jahre danach bin ich ernüchtert. Vor fünfundzwanzig Jahren hätte mir noch keiner sagen können, dass es nicht allzulange dauern wird, und ein neues Zeitalter – das Informationszeitalter – anbrechen wird. Vieles ist seither passiert, Produktionsprozesse wurden automatisiert oder ins Ausland verlagert, sodaß Produkte viel billiger geworden sind. Menschen drehen Videoclips und teilen ihr Wissen und Können auf Youtube mit einer großen Community. Auch der Geschmack hat sich geändert – neue Materialien lassen sich leichter verarbeiten als widerspenstiges Blattgold.

Alles Ausreden? Vielleicht.

Auch mein Blick ist nach vorne gerichtet und ich frage mich, wo diese Kunst eine neue Heimat finden könnte?